Über den Datenschutz – Teil 4

Das "Allsehende Auge" (Dom zu Passau)

Das „Allsehende Auge“ (Dom zu Passau)

In loser Folge werden historische, gesellschaftliche und technische Aspekte sowie Auswirkungen in Gegenwart und Zukunft des Datenschutzes diskutiert.

Artikel 10 Grundgesetz

„(1) Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.
(2) Beschränkungen dürfen nur auf Grund eines Gesetzes angeordnet werden. Dient die Beschränkung dem Schutze der freiheitlichen demokratischen Grundordnung oder des Bestandes oder der Sicherung des Bundes oder eines Landes, so kann das Gesetz bestimmen, daß sie dem Betroffenen nicht mitgeteilt wird und daß an die Stelle des Rechtsweges die Nachprüfung durch von der Volksvertretung bestellte Organe und Hilfsorgane tritt.

„Rechtsweg“

„Unter dem Grundgesetz ist der Zugang zu Gerichten grundsätzlich gesichert, wenn subjektive Rechte beeinträchtigt werden. …“ (aus: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rechtsweg&oldid=156652159)

Die Eröffnung des Rechtsweges ist verfassungsrechtlich und gesetzlich vorgeschrieben. Aber in Abs. 2 Satz 2 des Art 10 GG steht, dass statt dessen ein politisches Gremium entscheiden darf. Statt eines Richters darf also ein Politiker oder eine Gruppe von Politikern über den Fall entscheiden…

Über den Datenschutz – Teil 3

Stereoüberwachungskamera an der B12 in Röhrnbach (Niederbayern)

Stereoüberwachungskamera an der B12 in Röhrnbach (Niederbayern)

In loser Folge werden historische, gesellschaftliche und technische Aspekte sowie Auswirkungen in Gegenwart und Zukunft des Datenschutzes diskutiert.

Abgasfreie Zukunft

Wir leben noch in einer ziemlich „belasteten Umwelt„. Feinstaub, Stickoxide oder einfach schwarzer Qualm verpesten die Luft, das Atmen fällt schwer. Vor allem in Großstädten wie Stuttgart, München oder Düsseldorf. Daher warten wir alle (ok, fast alle) auf die neuen Stromautos. Sie sind praktisch, leise und abgasfrei. Letzteres ist eigentlich nicht ganz richtig, solange der Strom von Erzeugern bezogen wird, die Atomstrom, Kohlestrom oder Gasstrom herstellen.

Auch das Tanken war eigentlich eher sehr ungesund. Die hochgiftigen Dämpfe, die beim Tanken von Benzin oder Diesel in die Nase steigen, sind mehr als problematisch. Aber wir reden einfach nicht darüber, gehen zur Kasse und bezahlen. Einige mit irgendeiner Karte, einige Anderen in bar.

Datenschutz?

Gut, aber was hat das mit Datenschutz zu tun? Sind wir hier in einem „Saubere Energie Forum“? Nein, auch wenn das ebenfalls ein schönes Ziel ist.

Führen Sie gerne Fahrtenbbuch? Nein, natürlich nicht. Sie sind aber schon nahe dran, wenn Sie bargeldlos bezahlen. Mit Strom aber wird das noch ganz anders. Hier werden alle „Zapfstellen“ bereits so ausgerüstet, dass Sie nur noch identifiziert „tanken“ können. Mit ID-Karte (VW) oder Smartphone. Damit können Sie kaum noch einen Meter unerkannt Autofahren, die Industrie (nein, erst mal nicht der gute alte Vater Staat!) weiß über jeden Meter Bescheid. Denn Ihr Smartphone und die Autos selbst protokollieren auch schon fleißig Ihr gesamtes Bewegungsprofil mit: Geschwindigkeit, Lage, Beschleunigung, Ort etc. Und als wäre das nicht schon mehr als genug, wundern Sie sich dann nicht, wenn Sie unterwegs plötzlich keinen Strom mehr kriegen! Möglicherweise hat einfach die Abbuchung Ihrer Autoraten nicht geklappt, die Identifikation kann wegen eines Netzfehlers nicht durchgeführt werden oder es gab einfach einen falschen Eintrag in Ihrem Profil auf dem Server des Herstellers. Renault macht sowas schon länger mit seinen Leihbatterien, Tesla erlaubt kein Fahren während eines plötzlichen Software-Updates.

Die neue Abhängigkeit

Stellen wir uns darauf ein, dass wir bald nicht mehr einfach ins Auto springen und losfahren können. Wir werden immer abhängiger von der „intelligenten“ Infrastruktur, von der Willkür der Hersteller und den Launen gesetzgeberischer Dampfplauderer.

Es ist wie mit dem Rotwein: Ein Genuss, mitunter vielleicht sogar gesund, aber ohne SInn und Verstand und ohne das Hinterfragen von Herstellungsbedingungen führt er zur Blindheit und zum Verlust jeglicher Selbstbestimmung.

[Diesmal keine Quellen, ich hab mir sowieso alles nur ausgedacht. Believe and Deceive! Auch das Internet lügt immer. Also lehnen wir uns zurück und genießen die neuesten Folgen von Big Brother!]

 

 

 

Über den Datenschutz – Teil 2

Hotel in Venedig

Hotel in Venedig

In loser Folge werden historische, gesellschaftliche und technische Aspekte sowie Auswirkungen in Gegenwart und Zukunft des Datenschutzes diskutiert.

Die Aufmerksamkeit des Netzes

Meinen Lebensunterhalt verdiene ich auch durch Seminare und Workshops. In einigen Seminaren werden die Teilnehmer aufgefordert, während der Veranstaltung ihre Telefone auszuschalten. Früher waren es die ab und zu klingelnden Handys, die den Ablauf des Vortrags und der gemeinschaftlichen Arbeit doch sehr störten. Aber geschenkt! Dies ließ sich mit dem Umschalten auf „lautlos“ und „Vibrationsalarm“ weitgehend kompensieren, die Telefonsüchtigen verließen dann diskret den Raum, um ihr Gespräch zu führen.

Das ist heute anders geworden.

Sind Ihnen „Siri“, „Google Now“, „Alexa“, „Cortana“, „Echo“ oder „S Voice“ ein Begriff? Naja, schon bequem, wenn man eine Pizza bestellen will, sich verlaufen hat oder jemanden anrufen möchte, aber die Hände gerade nicht frei hat.

Der Preis der Bequemlichkeit

Das erste Mal, als ich selbst in die Lage versetzt wurde, meinen Zuhörern die Lage zu verdeutlichen, war vor einigen Tagen. Und ich war dabei das Opfer.

Zu Beginn des Tagesseminars wurden noch einmal alle Teilnehmer aufgefordert, ihre elektronischen Taschenbegleiter auszuschalten. Es war aber schnell zu beobachten, dass  – trotz nickender Köpfe – sich kaum jemand daran hielt. Wieso denken Schüler, Studenten oder Seminarteilnehmer immer, dass der Lehrer, Professor oder Dozent nicht sehen würde, was die Leute im Raum so treiben? Aber ok, darum geht es hier nicht.

Ich begann also (es war ein Bewerbungstraining-Seminar) mit dem Thema Stellenanzeigen und erzählte von Hardskills und Softskills. In dem Moment, als ich das Wort „…Softskills…“ beendet hatte, wurde ich durch ein Signal eines Smartphones einer Teilnehmerin unterbrochen. Mehr noch, die Teilnehmerin nahm ihr Handy in die Hand, las kurz etwas auf dem Display und rief, zu mir gewandt, erschrocken aus: „Auf meinem Handy steht das Wort ‚Softskill‘, …was Sie gerade gesagt haben…“. Alle ware tatsächlich kurz still, geradezu baff.

Ich hatte nun zu erklären, was hier passiert war. Als meine Erklärungen zu Ende waren, hatte mindestens eine Person verstanden, worum es hier ging.

Die Pandemie der Wanzen

Halten wir die Zeit kurz an. Wenn ich Ihnen anbiete, dass ich Ihnen einen kleinen Sender in die Hand drücke, den Sie immer bei sich zu tragen haben und den ich ständig abhören kann, wo immer Sie sind oder wo immer ich mich aufhalte, würden Sie das tun? Wenn dieser Sender auch noch Ihre Position ermitteln kann und die Art und Weise Ihrer Bewegungen und Ihre Lage, würden Sie sich diesen Sender in die Tasche stecken? Und mir dafür auch noch 50 EUR pro Monat bezahlen? Ich höre Sie schon brüllen: „Nein, wieso sollte ich? Was geht Sie meine Privatsphäre an?“ Und Sie haben recht! Es geht mich nichts an, wo Sie was wann und wie machen. Aber: Genau so ein Ding haben Sie inder Tasche. Es ist nicht mein Sender, es ist der Sender von Apple, Google oder von den anderen der großen … Unternehmen. Und Sie bezahlen dafür auch noch viel Geld.

Aber das reicht nicht. Sie haben so etwas im Auto und im Haus und Ihre Kinder haben so etwas im Kinderzimmer. Kennen SIe „Hello Barbie“ oder „My Friend Cayla“? [1] Oder deren Verwandte? Das sind Spielzeuge, mit denen die Kinder sprechen können. Kinder sprechen mit allem, was sie in die FInger kriegen. Mit Autos, Teddys, Kopfkissen, Plüschdrachen oder auch Puppen. Und diese Spielzeuge können antworten. DIe Worte der Kinder werden via Blutooth oder WLAN über das nächstbeste Internetgerät an den Firmenserver geschickt, analysiert und während die Daten schön sauber in der firmeneigenen Datenbank zur späteren Weiterverarbeitung archiviert werden, ergeht auch schon eine Antwort in freundlicher, kindgerechter Stimme an das fragende Kind.

Oder, noch besser: „Lautsprecher“. In meinem Begriffssystem ist ein Lautsprecher ein Gerät, das nach vorgegebenem Muster Luftschwingungen erzeugt, die ich dann als Sprache oder Musik hören kann. Ja, leider falsch! Mit „Lautsprecher“ werden heute in euphemistischer Weise Funkgeräte bezeichnet, mit denen die Raumakustik aufgenommen und analysiert wird, zum Firmenserver gesendet wird und damit dann eine Aktion ausgelöst wird. Das bewirkt schon mal lustige Effekte [2, 3]. Amazon und andere Hersteller verkaufen diese Geräte schon fleißig an bedenkenlose Kunden.

Es muss noch einmal betont werden: Diese Geräte, alle diese Geräte hören den Raum ununterbrochen und ständig ab und warten auf ein besonderes Stichwort. Es sind ständig aktivierte und mithörende Wanzen.

So unterhaltsam das alles ist, so sehr schliddern wir in eine Situation, die eigentlich mehr als gruselig ist. Selbst wenn Sie der verantwortungsbewussteste Zeitgenosse sind, ausnahmsweise mal viel von Datenschutz halten und mit ihren eigenen Daten sehr vorsichtig umgehen (dazu zählen auch Ihr Foto und Ihre Stimme), Sie haben keine Chance! Ihr Haus, Ihr Auto, Ihre Verwandten, Ihre Freunde und Bekannten machen Ihnen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung! Ohne dass Sie oder sie es wissen, ist durch die Geräte von anderen mindestens Ihre Stimme bereits auf den US-Servern der großen Konzerne archiviert, analysiert und damit den dortigen Behörden schon längst zur Verfügung gestellt worden.

Und in meinem Seminar klappte das erstaunlich präzise, auf ca. 3 Meter Entfernung.

Wir alle sollten uns fragen, ob wir uns damit wirklich einen Gefallen tun.

Schöne Neue Welt.

Eine „Hello Barbie“ wartet übrigens in einer Schachtel unter dem Schreibtisch noch auf eine eingehendere Untersuchung. Auch ich habe unzählige dieser Wanzen hier bei mir, in Greifweite … Hörweite.

[1]  http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/my-friend-cayla-bundesnetzagentur-nimmt-sprechende-puppe-vom-markt-a-1135159.html
[2] http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/my-friend-cayla-bundesnetzagentur-nimmt-sprechende-puppe-vom-markt-a-1135159.html
[3] http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/super-bowl-google-werbung-aktiviert-google-home-a-1133315.html

Über den Datenschutz – Teil 1

Mautbruecke (DE)

Mautbruecke (DE)

In loser Folge werden historische, gesellschaftliche und technische Aspekte sowie Auswirkungen in Gegenwart und Zukunft des Datenschutzes diskutiert.

Die Rechtfertigung und Sinnhaftigkeit von Datenbanken

Die wissenschaftlichen Welt lebt seit jeher von Veröffentlichungen der Forscher. Veröffentlichungen sind nicht nur Lehrmaterial für spätere Forschergenerationen, sondern Basis für weitere Forschungen. Das ist eine der tragenden Säulen menschlicher Entwicklung.

Daher tragen auch Klimaforscher ihre Erkenntnisse in Datenbanken zusammen. Datenbanken, ein viel zu allgemeiner Begriff. Gemeint sind Personaldatenbanken von Instituten und Behörden, Autorenverzeichnisse von Monographien und Büchern, Datensammlungen zweiter Ordnung, die aus diesen anderen Datenbanken generiert werden (z. B. statistische Sammlungen, attributreiche Behördenregister) und weitere.

Wir alle leben mit solchen Registern und Datenbanken, Patientenregistern, Krankenkassendatenbanken, Verkehrsregister, Personaldatenbanken, Nutzerdatenbanken, es gibt unzählige Anwendungen in unserer realen Welt.

Und es ist gut, dass es solche Datenbanken gibt. Wie sollen Wissenschaftler sonst die Arbeiten ihrer Kollegen oder auch die Kollegen selbst finden? Die Rechtfertigung dafür sind Kommunkation und gegenseitiger Wissenstransfer. Wie sollen Krankenhäuser ihre Patienten sonst versorgen können? Wie sollen die Behörden ihre Aufgabe im Sinne eines Rechtsstaates erfüllen ohne Verkehrsregister oder Personenmeldedaten?

Der politisch motivierte Missbrauch

Aber die geordnete Nutzung derartiger Datenbanken hängt von ihren Betreibern ab. Wir müssen gar nicht in die ältere Geschichte zurückgehen, um Belege dafür zu finden, dass Datenbanken missbraucht werden, wenn sich politische Verhältnisse ändern.

Am 14.12.2016 vermeldete die Presse [1], dass der President Elect der USA das Energieministerium aufforderte, unter anderem die Namen der Mitarbeiter mitzuteilen, die sich mit dem Klimawandel beschäftigt hatten. Ein Beispiel dafür, wie eine eigentlich harmlose Datenbank unter anderen Prämissen dazu verwendet werden kann, Menschen anhand bestimmter EIgenschaften zu selektieren. Ein Vorgehen, mit dem wir hierzulande in der Vergangenheit bereits bitterste Erfahrungen sammeln mussten.

Wofür soll in diesem Fall der Datenschutz sorgen?

Jede Datenbank ist ein Risiko. Wenn sie aber von Menschen betrieben wird, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind, dann sind nur diejenigen Daten enthalten, die zur Bearbeitung der Vorgänge absolut notwendig sind (Datensparsamkeit). Und dass die Daten nur solange enthalten sind, wie sie benötigt werden. Nur zwei Aspekte, die zwar vor Missbrauch nicht sicher schützen, aber zumindest den Zugriff erschweren.

Der Sinn von Datenschutz ist in diesem Fall, eine besonders hohe Hürde aufzubauen, damit im Falle eines Eignerwechsels die Daten nicht oder nur schwer zum Nahteil der darin gespeicherten Menschen missbaucht werden können. Politische Systeme wechseln in der Regel schnell, Gesetze können sich ändern, Datenbanken aber sind als langlebige Objekte geplant und implementiert. Sie werden noch in einer für uns nicht durchschaubaren Zukunft existieren. Und wir können nicht vorhersagen, wofür. Aber wir können dafür sorgen, dass der potentielle Schaden minimiert wird.

Denken Sie an diese Argumente, wenn Sie das nächste Mal einen Kontakt oder sein Foto bei den von Ihnen bevorzugten Social Media Portalen oder in ihre Kontaktliste eintragen, ohne vorher dazu die Erlaubnis der Betroffenen einzuholen. Denn – anders herum – es könnten auch Ihre Daten sein.

 

 

 

[1] http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/donald-trump-klimaforscher-in-den-usa-bringen-ihre-daten-in-sicherheit-a-1125884.html

In eigener Sache

Schon lange gab es keine Beiträge mehr in diesem Blog. Der Grund waren Ereignisse im familiären Umfeld. Die einzigen Kommentatoren waren nur noch PR-Bots.

Nun werden wieder Beiträge erscheinen.

Das Thema ist dringlicher denn je, die Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass wir bereits ein Szenario erleben, dass wir uns in unseren schrecklichsten Alpträumen nicht vorstellen konnten.

Freunde aus der Rollenspiel-Szene meinen, inzwischen sei es schon fast langweilig „Shadowrun“ zu spielen. Es sei ja gar keine Zukunftsversion mehr. Bleibt nur noch „Eclipse Phase“ als spannende Spielwelt übrig…